
Mein Vater war nie ein großer Leser. Er war wie alle Kriegskinder ein Horter und Sammler. Haben ist besser, als brauchen. Keiner konnte ja ahnen, wie wir heute auf alles so leicht Zugriff haben.
Sobald sein Sammelraum eng wurde, entsorgte er heimlich Bücher und Dinge meiner Mutter, um Platz für sein Sammelgut zu schaffen.
Bei einer Familienzusammenkunft gab er mir großzügig die Aussicht, dass Meyers Konversationslexikon 32 Bände zu erben. Ich sei ja der Erstgeborene und mag Bücher.
Als er das sagte, war der Beginn von Wikipedia und Microsoft Lexikas auf CD lief wie geschnitten Brot. Der Markt der Lexikonverkäufer, die dumme DDR Bürger abzockten und ihnen Konversationslexika vertickten, lief auf vollen Touren, denn die Verlage wußten, dass die Zeit der gedruckten Konversationslexika entgültig gelaufen war.
Es dauerte eine Weile bis ich begriff, dass meine Aufgabe war ihm für diesen Schatz zu danken. Egal, ob der Inhalt der Lexika veraltet war und ich nirgends Platz für dieses Monstrum finden würde um es auszustellen. Deshalb war ich ein guter Sohn und schätzte den Erbschatz verbal und überlegte schon wie ich dieses Erbe los würde.
Als mein Vater dann starb, begann der Teil: „Das wollte dein Vater, dass du es bekommst!!!“ … der Weg zum Wertstoffhof ist mir seit langem bekannt und man freut sich dort auf mich. Immer dieses süffisante Grinsen und die Frage:“Papas Schatz????“